Michael Frayn

Schatten

Biographie

Zuletzt aktualisiert am: 20. Januar 2014

Michael Frayn
Gwurde am 8.11.1933 in Mill Hill bei London geboren. Nach seinem Schulabschluss absolvierte Frayn den Wehrdienst bei der Royal Artillery, arbeitete dort als Russischdolmetscher im Nachrichtendienst und studierte anschließend Philosophie in Cambridge. In seiner philosophischen Abhandlung „Constructions“ setzte sich Frayn mit Ludwig Wittgensteins Theorie der Beziehung zwischen Sprache, Wahrnehmung und Realität auseinander. Nach seinem Studium arbeitete er von 1957 – 1962 als Reporter und schrieb ab 1959 satirische Kolumnen für den Manchester Guardian. Von 1962 – 1968 war Frayn als Journalist und Autor von Länderportraits für den Londoner Observer tätig. Ebenfalls in dieser Zeit entstanden seine Städteportraits über Berlin und Jerusalem sowie zwei Fernsehspiele für die BBC. Neben seiner journalistischen Tätigkeit verfasste Frayn eine Reihe von vorwiegend satirischen Romanen (u.a. „The Tin Man“, „A Very Privat Life“, „The Thrick of It“ und „A Landing in the Sun“) und Theaterstücke, in denen er bürgerliche Konvention, Snobismus, Heuchelei und überkommene Strukturen kritisierte.

1970 entstand mit „The Two of us“ seine erste Arbeit für die Bühne (die Deutsche Erstaufführung „Wir zwei“ fand am 2. Oktober 1974 im Contra-Kreis-Theater mit Katinka Hoffmann und Horst Johanning statt, die Komödie war ein solcher Erfolg, dass sie in der Spielzeit 1975 wieder in den Spielplan aufgenommen wurde. Anlässlich seiner Erstaufführung besuchte Michael Frayn uns in Bonn und war von der Vorstellung und dem Theater begeistert). In diesem Stück und in „Alphabetical Order“ schrieb Frayn über die Suche nach dem Glück und dem oft vergeblichen Versuch des Menschen, die diffuse, kaum fassliche Realität zu strukturieren. Es folgten eine Reihe weiterer Theaterstücke (u.a. „Clouds“, „Make and Break“, „Liberty Hall“). 1982 wurde seine groteske Farce „Noises oft“ (dt. „Der nackte Wahnsinn“) in London uraufgeführt und erhielt noch im selben Jahr den Preis für die beste Komödie. Seit den 80er Jahren ist Frayn auch als Drehbuchautor (z.B. 1986 für den Film „Clockwise“) erfolgreich. Darüber hinaus machte er sich als Übersetzer und Bearbeiter russischer Dramatik einen Namen. Frayns jüngstes Stück „Copenhagen“ wurde im April 1999 in London uraufgeführt. Es handelt von einem Streitgespräch über mathematische Theorie und Mensch zwischen den beiden Vordenkern der Atombombe, Werner Heisenberg und Nils Bohr. Für sein journalistisches und literarisches Werk erhielt Michael Frayn zahlreiche Auszeichnungen.

Michael Frayn – Über das Publikum

Ich habe manchmal das Gefühl, dass der Sachverstand des Publikums nicht immer genügend beachtet wird. Gewiss, einige der Theaterbesucher kommen zu spät, einige begleiten die Vorstellungen mit lauten Kommentaren und warten auf die Lachstellen, um zu husten. Aber das Überraschende ist eigentlich, wie wenige sich so benehmen und wie viele die Regeln verstehen und bereit sind, sich daran zu halten. Zwei, fünf oder zehn gute Schauspieler für eine Inszenierung zu finden, ist schwer; zweihundert oder fünfhundert oder gar tausend Menschen zu finden, die sie sich Abend für Abend ansehen – das ist ein Wunder. So viele Leute in einem Raum, die alle still sitzen und zwei Stunden lang zuhören – die keine lauten Sprüche machen, die unter der Anstrengung von so viel gemeinsamer Selbstdisziplin nicht zusammenbrechen! Teil eines guten Publikums zu sein, ist ein Vergnügen.

Die Empfindungen, die um einen herum spürbar werden, sind ebenso Bestandteil der Vorstellung, wie die Laute von der Bühne: die gespannte Erwartung, bevor der Vorhang hochgeht – die Empfindungen der Stille – die Stimmung, wenn Anspielungen verstanden werden – der Klang eines offenen und beifälligen Gelächters.

Michael Frayn im Contra-Kreis-Theater


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