Stefan Vögel

Schatten

Biographie

Zuletzt aktualisiert am: 4. Oktober 2013

Stefan Vögel

Geboren und aufgewachsen in Gurtis (Vorarlberger Alpen, 900 Meter Seehöhe, 300 Menschen- und Rinderseelen) als jüngstes von fünf Kindern. Trotzdem nicht verwöhnt. Dorfschullehrer Schabernig bringt ihm das Lesen und Schreiben bei, was die erste und einzige Vorbereitung für den zukünftigen Beruf bleibt. Selbst Gymnasialprofessoren schaffen es nicht, dem Kind die Freude an Literatur und Theater zu nehmen. Das Studium der Anglistik und Altphilologie in Wien scheitert nach einem halben Jahr an Wien. Es folgt der Wechsel ins biedere Zürich mit der Absicht, fortan ein braves Studium der Wirtschaftsinformatik mit anschließend bürgerlichem Leben zu beginnen. Schuld ist die Schwester: selbst Schauspielerin, verführt sie ihn nach dem ersten Staatsexamen zum Theater. Sprich: Kabarett. Der angehende Ökonom schreibt heimlich Nummern, die schon bald zu kompletten Kabarettabenden anwachsen. Und unbekannte Menschen bezahlen dafür auch noch Eintritt! Hat das Wirtschaftsstudium am Ende gefruchtet? Nein. Die Abschlussprüfung fällt mit dem Beginn der hauptamtlichen Bühnentätigkeit zusammen. Leises Jammern der Mutter, dass wieder einmal alles für die Katz war.

Nach sechs Kabarettprogrammen und Rotweinen ereilt den Autor spätnachts der Ruf nach Höherem – ein abendfüllendes Theaterstück muss her. Doch was für eins? Der Wirtschafter flüstert dem Schreiber ein, dass Komödienautoren in Deutschland so selten sein sollen wie Haubenköche in England. Also kein Hamlet. Das erste Stück Eine gute Partie wird zu einer eben solchen – uraufgeführt 2002 in Stuttgart, im Contra-Kreis-Theater 2005 mit Wolfgang Spier, Ralf Wolter u. a., Die süßesten Früchte begeisterten 2004/2005 bei uns ebenfalls das Publikum.

Die Tage vor einer Premiere
… sind für den Autor wie das Warten auf eine Geburt. Ja gewiss, man kennt den Vater und die Mutter, sprich: den Text, die Schauspieler und den Regisseur; man kennt sogar den genauen Geburtstermin – aber wie wird das Kind aussehen? Sitzen die Gags? Hätte ich den einen streichen und dafür den anderen drin lassen sollen? Sind meine Charaktere stimmig, die Dialoge fließend, die Szenen und Akte gut strukturiert? Und vor allem: interessiert meine Geschichte überhaupt irgendwen? Oder habe ich etwa ein halbes Jahr meines Lebens geopfert für eine Komödie, die kein Mensch sehen will? Von der zermürbenden Warterei bis zur Uraufführung einmal ganz zu schweigen.

Denn die Schwangerschaft eines Theaterstücks dauert ja nicht Monate, sondern Jahre – und die Geburt ist mitunter ähnlich schmerzvoll. Am Ende entscheiden einige we-nige Augenblicke über Sein oder Nichtsein. Nirgendwo liegen Triumph und Untergang so nahe beieinander wie im Theater. Warum also in Gottes Namen tue ich mir das alles an – die abgebissenen Fingernägel, das unablässige Kaffeetrinken bis an den Rand eines Magenleidens, die schlaflosen Nächte und die allgegen-wärtige, schreckliche Gewissheit: es ist ohnehin nichts mehr zu ändern?

Moss Hart, der große amerikanische Komödienautor der dreißiger Jahre, hat in seiner Autobiographie „Act One“ eine ehrliche Antwort darauf gegeben: „Gibt es einen anderen Beruf, in dem der Erfolg so blendend und so tief befriedigend ist wie im Theater? Ich weiß es nicht, aber ich bezweifle es. In anderen Berufen mag der Lohn genauso groß oder noch größer sein als im Theater; es mag Berufe geben, wo die Früchte des Erfolges ebenso augenblicklich geerntet werden; oder noch andere, in denen das Erreichen eines nobleren Zieles ein tieferes Gefühl der Erfüllung verleiht.“

Stefan Vögel im Contra-Kreis-Theater


© 2013 – 2018 Contra-Kreis-Theater. Alle Rechte vorbehalten.

Telefonische Kartenbestellung unter:

0228 63 23 07
0228 63 55 17