Stefan Vögel

Schatten

Biographie

Zuletzt aktualisiert am: 19. Februar 2019

Geboren in Bludenz und aufgewachsen in Gurtis (Vorarlberger Alpen, 900 Meter Seehöhe, 300 Menschen- und Rinderseelen) als jüngstes von fünf Kindern. Trotzdem nicht verwöhnt. Dorfschullehrer -Schabernig bringt ihm das Lesen und Schreiben bei, was die erste und einzige Vorbereitung für den zukünftigen Beruf bleibt. Selbst Gymnasialprofessoren schaffen es nicht, dem Kind die Freude an Literatur und Theater zu nehmen. Das Studium der Anglistik und Altphilologie in Wien scheitert nach einem halben Jahr an Wien. Es folgt der Wechsel ins biedere Zürich mit der Absicht, fortan ein braves Studium der Wirtschaftsinformatik mit anschließend bürgerlichem Leben zu beginnen. Schuld ist die Schwester: selbst Schauspielerin, verführt sie ihn nach dem ersten Staatsexamen zum Theater. Sprich: Kabarett. Der angehende Ökonom schreibt heimlich Nummern, die schon bald zu kompletten Kabarettabenden anwachsen. Und unbekannte Menschen bezahlen dafür auch noch Eintritt! Hat das Wirtschaftsstudium am Ende gefruchtet? Nein. Die Abschlußprüfung fällt mit dem Beginn der hauptamtlichen Bühnentätigkeit zusammen. Leises Jammern der Mutter, dass wieder einmal alles für die Katz war. Nach sechs Kabarettprogrammen und Rotweinen ereilt den Autor spätnachts der Ruf nach Höherem – ein abendfüllendes -Theaterstück muss her. Doch was für eins? Der Wirtschafter flüstert dem Schreiber ein, dass Komödienautoren in Deutschland so selten sein sollen wie Haubenköche in England. Also kein Hamlet.

Das erste Stück Eine gute Partie wird zu einer eben solchen – uraufgeführt 2002 in Stuttgart, im Contra-Kreis-Theater 2005 mit -Wolfgang Spier, Ralf Wolter u. a. Die süßesten Früchte begeisterten 2004/2005 bei uns das Publikum. Seine Komödie Achtung Deutsch! wurde 2013 mit großem Erfolg im Contra-Kreis-Theater gespielt und wurde bei den Hamburger Privattheatertagen mit dem Monica Bleibtreu Preis als beste Produktion in der Kategorie Komödie ausgezeichnet.
Stefan Vögel selbst steht mit seinem Kabarettprogramm Für immer und ewig gemeinsam mit seiner Schwester Maria auf der Bühne.

Wie kam es zur „Niere“?
Vor etwa zwei Jahren saß ich im meinem Stammcafé und las die Zeitung (was Autoren meist dann tun, wenn ihr Hirn keine eigenständigen Ideen mehr produziert). Dort stand: Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seiner Frau eine Niere gespendet. Ohne noch im Entferntesten an einen Stückstoff zu denken stellte ich mir die quälende Frage: Würde ich das bei meiner Ehefrau ebenfalls tun? Ich kam – begleitet von schlechtem Gewissen – zu dem Schluss, dass ich erst einmal genau wissen müsste, was für ein Gefahrenpotential eine solche Spende für meine eigene Gesundheit beinhalten würde. Wieder heimgekehrt stellte ich meiner Frau die umgekehrte Frage: Würdest du mir eine Niere spenden, wenn du damit mein Leben retten könntest? Zu meiner Überraschung musste auch meine Frau zuerst überlegen, und dies aus denselben Gründen wie ich! Schon glaubte ich an ein allgemeines Verhaltensmuster (wer wusste denn schon, wie viele Bücher Frank-Walter Steinmeier zuvor gelesen hatte über die Unbedenklichkeit von Nierenspenden), als ich zur Sicherheit nun auch noch meinen ältesten Bruder fragte: Wie hältst du es mit der Nierenspende? Thomas lachte nur milde. Nicht nur würde er seiner Frau jederzeit eine Niere spenden, sondern auch mir, seinem Bruder, und selbst seinen besten Freunden. Denn: Nicht nur würde er durch die nicht geleistete Nierenspende womöglich seine langjährige Partnerin verlieren und in Zukunft alleine dastehen (ein völlig egoistisches, wenn auch nachvollziehbares Motiv) – nein, er müsste sich anschließend auch noch ein Leben lang Vorwürfe machen, sie nicht gerettet zu haben!

Zugegeben, so hatte ich das Problem bislang noch gar nicht betrachtet. Es dauerte jedenfalls nicht lange und die Frage, ob wer wem wann und warum eine Niere spenden würde, beherrschte meinen ganzen Freundeskreis. Erst zu diesem Zeitpunkt begriff ich, was für einen guten Theaterstoff ich mit dieser einfachen Frage in Händen hielt, eine simple Frage, die jeder Person und jeder Partnerschaft sofort einen bösen Spiegel vors Gesicht hielt, welcher die Ängste der Beteiligten oder ihre Bedingungslosigkeit in Beziehungen offenlegte – je nachdem, welche Sichtweise man bevorzugte oder betonte. Würden Sie Ihrem Partner eine Niere spenden? Vielleicht wissen Sie nach diesem Abend ja mehr. Viel Vergnügen!

Stefan Vögel im Contra-Kreis-Theater


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